Wie laut darf es sein?

Fast jede Antwort auf diese Frage nennt eine Zahl und sagt nicht, welche Größe gemeint ist. Das ist der Kern des Problems: „100 dB“ kann ein kurzer Spitzenwert sein oder ein Mittelwert über eine halbe Stunde. Bei Musik liegen dazwischen gut 17 Dezibel — also der Unterschied zwischen einer Anlage, die unnötig leise bleibt, und einer, die niemanden schützt.

Zwei Größen, und man braucht beide

  • LAeq — der A-bewertete Dauerschallpegel über ein Zeitfenster, meist 15 oder 30 Minuten. Das ist die Größe, die über einen Abend das Gehör belastet. Ein einzelner lauter Moment fällt darin kaum ins Gewicht; drei Stunden dauerhaft zu laut schon.
  • LCpeak — der C-bewertete Spitzenpegel. Er beschreibt ein EINZELNES Ereignis: den Schlag auf die Snare, den Rückkopplungspfiff, das umgestoßene Mikrofon. So etwas kann in Millisekunden schädigen, ganz gleich wie leise der Abend im Mittel war.
  • DIN 15905-5 nennt beide, und das aus gutem Grund: Wer nur den Dauerpegel begrenzt, lässt den Knall durch. Wer nur den Spitzenwert begrenzt, führt den Dauerpegel gar nicht — er macht die Anlage pauschal leiser und nimmt ihr die Dynamik.

Warum eine Zahl ohne Messung nichts bedeutet

Ein Digitalpegel ist kein Schalldruck. Zwischen der Zahl in der Software und dem, was am Platz ankommt, stehen die Verstärkung der Endstufe, der Wirkungsgrad der Lautsprecher, der Abstand und der Raum. Dieselbe Datei erzeugt im Gemeindesaal 88 dB und mit derselben Anlage in der Kirche 96 — oder umgekehrt.

Deshalb braucht jede ehrliche Schalldruckangabe genau einen Bezugspunkt von außen: einen Schallkalibrator auf der Mikrofonkapsel oder den Vergleich mit einem Pegelmesser. Es gibt keinen Weg daran vorbei. Software, die eine Grenze in dB(A) verspricht, ohne dass jemand ein Messgerät in der Hand hatte, rät — und eine geratene Grenze ist gefährlicher als gar keine, weil man sich darauf verlässt.

Der Fehler, den fast alle machen — auch AURIX

AURIX hat es bis zum 7. August 2026 selbst falsch gemacht. Der Gehörschutz begrenzte den unbewerteten Spitzenwert, während auf dem Regler eine Zahl in dB(A) stand. Nachgemessen: Regler auf 100 dB, heraus kamen 82,3 dB LAeq. Und die Kalibrierung war nicht gemessen, sondern angenommen — die Software unterstellte, der Einmess-Sweep habe 90 dB erzeugt.

Das steht hier, weil derselbe Fehler in vielen Produkten dieser Klasse steckt und weil man ihn erkennen kann: Frag dich, welche Größe begrenzt wird und woher die Kalibrierung kommt. Steht nirgends, wie das Gerät den Schalldruck deiner Anlage gelernt hat, dann hat es ihn nicht gelernt.

Was du praktisch tun kannst

Miss einmal. Ein Schallkalibrator kostet etwa 150 Euro und ist in fünf Minuten aufgesetzt; eine Handy-App und ein Pegelmesser sind ungenauer, aber immer noch eine Messung statt einer Annahme. Stell dich dabei dorthin, wo später gehört wird — nicht ans Pult und nicht vor die Box.

Und dann miss weiter, während es läuft. Ein Wert vom Anfang des Abends sagt wenig; der Dauerschallpegel entsteht über Stunden. Ist ein Fenster von 15 Minuten erst zwei Minuten alt, ist es ein Zwei-Minuten-Wert — auch wenn „LAeq,15min“ darübersteht.

Wie AURIX es jetzt macht

AURIX misst einmal, welchen Schalldruck deine Anlage in deinem Raum erzeugt — mit Kalibrator oder im Vergleich mit einem Pegelmesser. Ohne diese Messung begrenzt AURIX nicht und sagt dir, dass es den Pegel nicht kennt. Danach führt es den A-bewerteten Dauerschallpegel auf die Zahl, die du einstellst, und deckelt zusätzlich den C-bewerteten Spitzenpegel. Der laufende Wert steht auf dem Rechner und auf dem iPad, mitsamt der Angabe, wie viel vom Fenster schon gemessen ist.

AURIX ist kein geeichtes Messgerät und ersetzt keine Messung nach Vorschrift. Es begrenzt, was AURIX ausgibt — Ton, der daran vorbeiläuft, kennt es nicht. Welche Grenze für deine Veranstaltung gilt, sagt dir der Veranstalter oder die Auflage, nicht diese Seite.

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99 € einmalig, Windows und macOS, mit iPad-Fernbedienung.